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Any Deleuze. Übersetzungsprozesse zwischen der Philosophie Gilles Deleuzes und dem US-amerikanischen Architekturdiskurs der 1990er Jahre

Frederike Lausch

Der US-amerikanische Architekturdiskurs der 1990er Jahre liest sich wie ein Sammelalbum von Begrifflichkeiten aus Schriften des Philosophen Gilles Deleuze und denen, die er gemeinsam mit dem Psychotherapeuten Félix Guattari geschrieben hat: Es wimmelt sozusagen von glatten Räumen, organlosen Körpern, Rhizomen, Falten, abstrakten Maschinen, Diagrammen und was noch nicht aktualisiert ist, existiert virtuell. Die Analyse und Ausdifferenzierung der Vielschichtigkeit von angeeigneten Begriffen und Konzepten aus der Philosophie Deleuzes (und Guattaris) sowie die Art und Weise ihrer Umformung und Inkorporierung in die Architekturdisziplin der 1990er Jahre ist Gegenstand der Promotionsarbeit. Die zeitliche Einschränkung erklärt sich durch das Einsetzen eines sogenannten „mainstream“-Trends zu Beginn der 1990er Jahren: „the Deleuzian decade“, schreiben Ben van Berkel und Caroline Bos 2002. Dieses letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ist auch durch das Netzwerk der Anyone Corporation und dessen Aktivitäten sowie Akteure gekennzeichnet. Deren Publikationen bilden das Quellenmaterial des Dissertationsprojekts. Der Fokus liegt insbesondere auf den angewandten Praktiken und Strategien, mit welchen die philosophischen Konzepte von Deleuze (und Guattari) in verschiedene architektonische Medien übersetzt werden. Daneben verlangt eine historische Perspektivierung des Übersetzungsprozesses die Betrachtung der Architekturdiskurse, in welche die jeweiligen Begriffe und Theorien integriert werden, um zu bestimmen, welche spezifischen Rollen sie dabei einnehmen. Zu vermuten wäre, dass sie Inspirationsquellen und Katalysatoren für die Entstehung oder Weiterentwicklung von architektonischen Ideen darstellen. Doch drängt sich der Verdacht auf, dass die Begrifflichkeiten und textuellen Versatzstücke vielmehr wie Spolien in rekonstruierten Gebäuden fungieren, durch welche kontaktmagisch die philosophische Auseinandersetzung – im Sinne einer Macht der Theorie – in den Architekturdiskurs übergehen soll. Die entscheidende Frage ist somit, ob sie Teil einer Faszinations- und Produktionsgeschichte sind oder lediglich zur Inszenierung dienen?

Betreuer: Prof. Dr. Carsten Ruhl
Zweitbetreuer: Prof. Dr. Jörg Gleiter

Gilles Deleuze an der Seite von Félix Guatarri